BERLIN AIR SHOW ILA 2010
Wieder eine gelungene Vorstellung der Luft- und Raumfahrtindustrie
Die ILA 2010 Berlin (Internationale Luft- und RaumfahrtAusstellung) fand vom 08. bis 13. Juni 2010 auf dem Messegelände des Flugplatzes Berlin-Schönefeld unter der Schirmherrschaft des Bundes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und der Messe Berlin GmbH statt. Die Ausstellung war täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr für Fachbesucher geöffnet, vom 11. Juni an auch für das gesamte Publikum. Mit der größten Beteiligung in der über 100-jährigen Geschichte der ILA zeigten 1.153 Aussteller aus 47 Ländern (2008: 1.127 / 37) eine eindrucksvolle Leistungsschau an Produkten und Dienstleistungen aus allen Bereichen der Aerospace-Industrie. Die ILA 2010 konnte bereits zur Messehalbzeit rekordverdächtige Geschäftsabschlüsse melden. Verträge und Vereinbarungen im Gesamtvolumen von mehr als 16,45 Milliarden Dollar (circa 13,7 Milliarden Euro) wurden schon an den drei ersten Tagen unterzeichnet.Obwohl sich die ILA von Beginn ihrer Ausrichtung in Berlin an zum Ziel gesetzt hatte, ein »Tor zum Osten« zu werden, war leider auch diesmal wieder die Beteiligung Osteuropas (auch Russlands) recht gering. Die Schweiz, als Partnerland der diesjährigen Veranstaltung, war sehr stark vertreten, insbesondere durch das atemberaubend vortragende Flugteam »Patrouille Swiss« auf seinen F-5 Tiger Kampfflugzeugen.
Und wieder ein hervorragendes Konferenzprogramm
Mit einem internationalen Konferenzprogramm von rund 100 Events stellte sich die ILA wieder als führender Standort für Kongresse im Bereich der Luft- und Raumfahrt vor. Die verschiedenen Seminare, Vorträge und Konferenzen sprachen ein breites Feld von Interessen an, so die Themen: Wissenschaft & Politik, Forschung & Entwicklung, Verteidigung & Sicherheit, Triebwerke und Zubehör, Kommerzieller Lufttransport, Hubschrauber, Wartung & Logistische Dienste.
Historische Flugzeuge
Wieder einmal waren es auch die historischen Flugzeuge, die die Zuschauer in ihren Bann zogen: die legendären Messerschmitt Me 262 und Bf109 G-10 zeigten eindrucksvoll, welchen Stand die deutsche Luftfahrt bereits vor fast 70 Jahren hatte.
Bundeskanzlerin erteilte »Startgenehmigung« für ILA 2010: »Es lohnt sich herzukommen!«
Vor dem eindrucksvollen Hintergrund des ersten Airbus A380 von Lufthansa und eines Prototyps des Militärtransporters A400M, der ebenfalls sein internationales Debut auf einer Luft- und Raumfahrtausstellung hatte, erteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag, den 08. Juni, Punkt 11.37 Uhr die »Startgenehmigung« für die ILA 2010. Airbus-Geschäftsführer und BDLI-Präsident Dr. Thomas Enders verwies bei seiner voraus gegangenen Begrüßung auf das »preußisch-brandenburgische Kaiserwetter«.
Die Bundeskanzlerin wurde auf ihrem Eröffnungsrundgang von der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard begleitet. Partnerland der diesjährigen ILA ist die Schweiz, die 2010 auf 100 Jahre nationale Luftfahrt zurückblickt. Frau Leuthard dankte in ihrer Ansprache für die Möglichkeit, dass die Schweiz hier ihr luft- und raumfahrttechnisches Know-how »vom Sitzbezug bis zum Marsmobil« präsentieren kann.
Spektakuläre Eröffnung der Show
Anlässlich des Eröffnungsrundgangs zur diesjährigen ILA gab der Präsident und CEO von Emirates Airlines, Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt, dass seine Fluglinie 32 weitere Exemplare der A380 bei Airbus bestellt habe. Damit erhöhte Emirates ihre Gesamtbestellung von Flugzeugen dieses Typs auf 90. Derzeit werden zehn Exemplare des größten Passagierflugzeugs der Welt eingesetzt. Die neue Bestellung ist laut Airbus-Listenpreis rund 11,5 Milliarden Dollar wert – damit ist dies laut Airbus die größte Einzelbestellung in der Geschichte der zivilen Luftfahrt.
Weitere große Aufträge kamen von den Luftverkehrsgesellschaften TAM (2,3 Milliarden Dollar), Finnair (485 Millionen $) und Germania (372 Millionen $). EADS und RUAG unterzeichneten ein Kooperationsabkommen mit einem möglichen Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Franken (rund 1,15 Milliarden Dollar).
Die Industrie an ausgewählten Beispielen
Der amerikanische Konzern Boeing ist auf die ILA zurückgekehrt und präsentierte sich mit seiner Hubschrauber-Sparte. Informiert wurde nicht nur über die gängigen Modelle AH-64 Apache, H-47 Chinook und den Tilt-Rotor V-22 Osprey, sondern auch über den leichten Kampf- und Aufklärungshubschrauber AH-6i. Daneben wurden Projektstudien wie der Disc Rotor und ein Joint Common Airlift System vorgestellt. Gezeigt wurde außerdem ein Modell des Future Transport Helicopter, das auf den künftigen Bedarf der deutschen und französischen Streitkräfte zugeschnitten ist.
Innovation Works, das Forschungs- und Technologienetzwerk des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, präsentierte dieses Jahr auf der ILA in Berlin erstmals einen dieselelektrischen Hybridantrieb für Hubschrauber. Dabei sorgen Dieselmotoren in Verbindung mit hocheffizienten Elektromotoren für den Antrieb der Rotoren und tragen dazu bei, den Treibstoffverbrauch und die Emissionen von Hubschraubern um bis zu 50 Prozent zu senken.
EADS Defence & Security hat auf der ILA im Rahmen der Bemühungen um einen Eurofighter-Auftrag aus der Schweiz mit dem eidgenössischen Unternehmen RUAG einen Vertrag über den Ausbau der strategischen, industriellen und technologischen Zusammenarbeit unterzeichnet, dessen mögliches Gesamtvolumen bei mehr als einer Milliarde Franken liegt. Das Abkommen umfasst die Beteiligung von RUAG am Eurofighter-Programm in den Bereichen Entwicklung, Wartung, Reparatur, Überholung und Fertigung. Der Eurofighter ist Kandidat für den Ersatz der F-5E/F Tiger bei der Schweizer Luftwaffe. Der jetzt geschlossene Vertrag sieht zusätzliche Kooperationen mit RUAG in mehreren industriellen und technologischen Projekten von EADS und dem Eurofighter-Konsortium vor. Dazu gehören auch Airbus-Programme wie Wartungs- und Überholungsarbeiten für den neuen Militärtransporter A400M.
Das aus der Gemeinschaftsentwicklung von ELOP (Israel) und ELETTRONICA (ELT) hervorgegangene Selbstschutzsystem DIRCM (Directed Infrared Counter Measures) - vorgestellt von ELT - bietet Schutz gegen die Bedrohung durch Infrarot gelenkte Flugkörper (Rakete). Das Airborne ESM/ELINT-System ELT/800 von ELT befähigt zur Warnung vor Radargeräten und erlaubt zusätzlich deren Aufklärung. Damit können je nach Einsatzszenario definierte Frequenzbänder überwacht werden sowie eine hochgenaue Analyse der Emitter erfolgen. Das System ELT/160 – Radar Warning Receiver ermöglicht eine zeitkritische Warnung vor Radargeräten, die in Verbindung mit Flugabwehrraketen als Bedrohung eingestuft werden können.
Eurocopter will gemeinsam mit dem Konkurrenten Boeing einen neuen Transporthubschrauber für die Bundeswehr, das Militär anderer europäischer Staaten und die US-Streitkräfte entwickeln. Angestrebt wird eine Partnerschaft, bei der Eurocopter Hauptauftragnehmer für die europäischen, Boeing für die amerikanischen Kunden ist. Dabei handele es sich nach Firmeneinschätzung um das einzige erkennbare, transatlantische Gemeinschaftsprojekt in diesem Jahrzehnt.
Die Grob Aircraft AG präsentierte die neue Version ihres bewährten Modells 120. Die G 120TB ist mit dem Turboprop-Triebwerk M250-17BF von Rolls-Royce, einem neuen Glas-Cockpit von Elbit-Systems und als Option mit dem Leicht-Schleudersitz Mk.15B von Martin Baker ausgestattet. Er ist eine Voraussetzung bei der Ausschreibung vieler Luftwaffen, denen man mit dem Modell einen Anfänger- und Fortgeschrittenentrainer zugleich bieten kann und der einen direkten Übergang auf die Einsatzmuster ermöglicht.
Dem Triebwerkhersteller MTU Aero Engines ermöglicht der neue Auftrag von Emirates Airlines über 32 A380 (mit Triebwerken Engine Alliance GP7000), ein Geschäft von rund 350 Millionen Euro. Auch die Beteiligungen an den Triebwerken für die Airbusmuster A400M und A380 tragen zur positiven Gesamtstimmung von MTU bei. Darüber hinaus gaben MTU und der US-Hubschrauberhersteller Sikorsky Aircraft bekannt, dass sie ein Abkommen zur Kooperation beim Angebot für eine Modifikation des Hubschraubers S-92 als MHP148 für die Deutsche Bundeswehr geschlossen haben.
Lockheed Martin arbeitet kontinuierlich daran, die Leistungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeiten der C-130J Hercules weiter zu steigern. Bisher haben zehn Kunden das Modell bestellt, am 27. Mai hatte Kuwait drei Flugzeuge in der Tanker-Version KC-130J geordert, am 4. Juni wurde die erste von 17 Maschinen an die kanadischen Streitkräfte ausgeliefert. Mit weiteren potenziellen Kunden ist Lockheed Martin im Gespräch. Der Hersteller rechnet insbesondere mit neuen Aufträgen aus dem Mittleren Osten und Asien.
Der europäische Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB Technology AG präsentierte sich mit dem größten ILA-Auftritt seiner Firmengeschichte. Mit den Tochterunternehmen OHB-System AG, Kayser-Threde GmbH, MT Aerospace AG, Carlo Gavazzi Space SpA und LuxSpace Sarl zeigte man unter anderem das Modell eines Galileo-Navigationssatelliten. Das gemeinsam mit Grob, Stemme, RST und ESG entwickelte Konzept eines deutschen Höhenaufklärungsflugzeugs auf Basis der EGRETT Strato 1 wurde ebenso vorgestellt.
Rheinmetall Defence zeigte ein Modell des bei der Luftwaffe in Afghanistan bereits eingesetzten UAV HERON 1. Im Rahmen der Unbemannten Aufklärungssysteme (Unmanned Aerial Systems – AUS) beschreitet die Bundeswehr mit der Nutzung unbemannter militärischer Luftfahrt neue Wege. So gewinnt auch die unbemannte militärische Luftaufklärung zunehmend an Bedeutung. Heron 1 wurde von dem israelischen Rüstungsunternehmen Israeli Aerospace Industries (IAI) entwickelt und von der Firma Rheinmetall logistisch unterstützt.
In einer Flughöhe von bis zu 10.000 Metern bewegt sich das unbemannte Luftfahrzeug mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern pro Stunde und kann bis zu 16 Stunden in der Luft bleiben. Dabei liefert der HERON 1 Bilder in Echtzeit.
Die Einführung dieses Systems stellt einen bedeutenden Fähigkeitsgewinn für die Operationen in Afghanistan dar. Durch seine ständige Präsenz kann es das Leben unserer Soldaten schützen, weil es die Bewegungen des potentiellen Feindes präziser und schneller zur Verfügung stellt. Der HERON 1 war beim Treffpunkt Bundeswehr im Static Display ausgestellt.
Die RUAG AG präsentierte auf der ILA erstmals auf einer Luftfahrtmesse den Prototypen der Do 228 Next Generation. Mit der Wiedergeburt der zweimotorigen Maschine zielt man vorrangig auf den Special-Mission-Markt und weniger auf Commuter-Airlines. Die ersten beiden Flugzeuge werden bereits im September und November an Kunden im Fernen Osten und in Europa ausgeliefert, die dritte Maschine geht im kommenden Jahr an die deutsche Marine. Geplant ist zunächst der Bau von jährlich drei bis vier Flugzeugen, bei Bedarf kann die Produktion auf acht ausgeweitet werden.
Erstmals präsentierte sich die russische Hubschrauberindustrie auf der ILA 2010 unter dem gemeinsamen Dach der neu gegründeten Russian Helicopters JSC. Hier haben sich zwölf Konstruktionsbüros, Herstellerwerke und Zulieferunternehmen zusammengeschlossen, darunter die bekannten Unternehmen Mil, Kamov, Kazan und Rostvertol. Einer der Schwerpunkte der Präsentation war der neue Transporthubschrauber Mi-171M, der die jüngste Weiterentwicklung aus der bewährten Mi-8/Mi-17-Familie darstellt.
Der unbemannte Beobachtungshubschrauber S-100 der österreichischen Firma Schiebel hatte sein fliegerisches Debut auf der ILA. Als erstes operationelles unbemanntes senkrecht startendes Flugsystem zeigte der Camcopter bei den täglichen Flugvorführungen seine Fähigkeiten. Die Bilder der täglichen Flugdemonstrationen wurden dabei in Echtzeit auf die Besucherleinwände der Berlin Air Show übertragen.
Der amerikanische Hubschrauberhersteller Sikorsky präsentierte sich mit zwei konkreten Angeboten an die Bundeswehr. Einerseits stellte er den Großhubschrauber CH-53K vor, mit dem er sich um einen künftigen Auftrag für den FTH (Future Transport Helicopter) bewirbt. Dieser ist als Ersatz für den CH-53G vorgesehen. Derzeit sind laut Firmenangaben rund 80 Prozent der Entwicklungsarbeiten abgeschlossen, der Erstflug soll 2014 erfolgen.
Größter Einzelaussteller der ILA
»ILA 2010 – Treffpunkt Bundeswehr« lautet das Motto, unter dem sich die Truppe einmal mehr als der größte Einzelaussteller der Leitmesse vorstellt, die vom 8. bis 13. Juni 2010 auf dem Südgelände des Flughafens Berlin-Schönefeld stattfindet. Nirgendwo wird die enge Verbindung der Luft- und Raumfahrtindustrie mit den deutschen Streitkräften so eindrucksvoll sichtbar wie hier. Es gibt praktisch kein ILA-Segment, an dem die Bundeswehr oder deutsche Bundesbehörden keinen wesentlichen inhaltlichen Anteil haben.
Bei ihrem eindrucksvollen Auftritt auf dem Freigelände ist die Truppe mit rund 70 Flugzeugen, Hubschraubern und UAV vertreten, vom Eurofighter über den Kampfhubschrauber Tiger bis zum Med-Evac Airbus A310 für medizinische Notfallmissionen.
Vor allem das Thema »Aufklärung« stand im Mittelpunkt. Ein umfassendes und aktuelles Lagebild ist eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz deutscher Streitkräfte. Die aufbereiteten Ergebnisse stehen auch der Bundesregierung zur Information zur Verfügung.
Am Treffpunkt Bundeswehr gab es dazu Informationen über das Radarsatellitensystem SAR-Lupe (Synthetic Aperture Radar), eines der modernsten Aufklärungssysteme der Welt, den Aufklärungs-Tornado und das unbemannte Aufklärungssystem Heron 1, die in den Einsatzgebieten aktuelle Luftbilder zur Unterstützung der Operationsplanung liefern sowie die Drohnen Kleinfluggerät für Zielortung (KZO), Luna, Aladin und Mikado, die die Bodentruppen direkt unterstützen.
Bundeswehr präsentiert erstmals alle Luftfahrzeugmuster bei gemeinsamer realitätsnaher Einsatzübung
Mit einer beeindruckenden Flugschau präsentierte die Bundeswehr auf der ILA 2010 erstmals ihre fliegenden Waffensysteme in einem gemeinsamen, realitätsnahen Szenario. »Joint Relief« war der Name der Übung, bei der die deutschen Streitkräfte mit 40 Luftfahrzeugen die unterschiedlichen Fähigkeiten einer modernen Armee im Einsatz demonstrierten: Luftnahunterstützung durch Kampfflugzeuge, Anlandung von eigenen Streitkräften mit dem Hubschrauber sowie Evakuierung von Geiseln gehörten dabei ebenso dazu wie die permanente Absicherung des Luftraumes durch Kampfhubschrauber und -flugzeuge.
Erfolgreiche Kooperation Luftwaffe/Industrie
Die erfolgreiche Zusammenarbeit der Luftwaffe mit verschiedenen wehrtechnischen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche im Bereich der Instandsetzung und Systemunterstützung wird auf der ILA 2010 erstmals in dem gemeinsam konzipierten Kooperationspavillon Luftwaffe/BDLI demonstriert. Gemeinsam mit den Firmen Autoflug, EADS Defence & Security, Eurocopter, MTU und Rolls-Royce zeigt man hier beispielsweise den Triebwerkswechsel an einem Eurofighter sowie die Grundüberholung eines Schleudersitzes.
Der Weg in die Zukunft
Die nächste ILA findet vom 12. bis 17. Juni 2012 auf dem neuen Messegelände im Westteil des künftigen Flughafens Berlin Brandenburg International (Schönefeld-West) statt.
JP

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